Leinenaggression bei Hunden

Sicherlich haben Sie auch schon oft Leinenaggression bei Hunden beobachten müssen. Sehr häufig findet man dieses Phänomen bei kleinen Hunden, dabei ist immer wieder lustig zu beobachten, daß die Hundebesitzer gar kein großes Problem darin zu sehen scheinen, daß ihr Hund keifend in der Leine hängt… kein Wunder, können sie doch den “Zwergenaufstand” mit einem Finger an der Leine “beherrschen”… Besitzer von großen Hunden sind da nicht entspannt, sie versuchen unter ständigem Zurufen von Entschuldigungen (“er regt sich halt so auf, aber eigentlich will er NUR SPIELEN”) irgendwie aus der Situation heraus zu kommen, oder sie nutzen auch gern mal Zäune oder Bäume, um den Hund daran fest zu binden, bevor der fremde Hund näher als 50 Meter kommt…

Ursachenforschung

Wir wollen uns nun einmal auf die Ursachenforschung für die Leinenaggression machen. Kein Hund kommt “leinenaggresiv” auf die Welt, wie eigentlich die meisten Fehlverhalten handelt es sich um ein erlerntes Verhalten. Falls Sie jetzt stutzen, ja: Sie haben es Ihrem Hund beigebracht!

Auf Ihren Spaziergängen mit dem Welpen waren Sie natürlich stolz auf Ihren Kleinen, er sollte sich ja auch “sozialisieren”, aber weil doch ab und an Autos vorbei fahren, haben Sie sich noch nicht getraut, ihn ohne Leine laufen zu lassen, daher nutzten Sie andere Hunde an der Leine für Ihr “Sozialisierungsprojekt”… “die müssen sich ja mal guten Tag sagen!” und Ihr Hund durfte hin zum Schnuffeln. Mit zunehmendem Alter, beziehungsweise ab einer gewissen Anzahl von Spaziergängen, hat Sie Ihr Hund schon völlig selbstverständlich zu jedem Hund hingeschleift, der sich halbwegs freundlich gezeigt hat. Sein Forderndes Zerren wurde immer mehr und spätestens beim Erreichen der Geschlechtsreife hatten Sie die Leinenaggression perfekt trainiert, jeder gleichgeschlechtliche Hund bringt Ihren Hund zum Ausflippen, herzlichen Glückwunsch!

Natürlich spielt auch die rassespezifische Veranlagung eine große Rolle. Ein “normal” veranlagter Terrier oder ein “normal” veranlagter Schutzhund (z. B. Malinois) regt sich eher auf als ein eher gelassener Bernhardiner oder Neufundländer… Aber auch da ist es wieder der Mensch, der sich den Hund ins Haus holt, vielleicht ohne das spätere Zusammenleben mit ihm zu durchdenken.

Frustration ist auch ein großer Auslöser, ein aufgeregter Hund, der sich etwas in den Kopf setzt, kann schon gewaltig Frust schieben, wenn er nicht zum anderen Hund hin darf. Der Besitzer hält ihn an der Leine von dem Objekt seiner Begierde ab, das frustriert!

Leider ist es auch so, daß ein Hund nicht gerade viele gute Beispiele auf dem Spaziergang trifft. Da wird fixiert, da wird sich aufgeregt und dadurch, daß der Hund nicht vernünftig korrigiert wird, steigert sich das aufgeregte Verhalten immer mehr in Aggression. Der Anblick eines fremden Hundes reicht bald schon aus, um den Hund völlig ausflippen zu lassen.

Weitere rassetypische Ursachen für aggressives Verhalten an der Leine kann auch im Revierverhalten des Hundes begründet liegen, für einen “normal” veranlagten Hovawart gehört praktisch jeder Weg und jede Wiese, wo er mal seine Pfoten drauf gesetzt hat, ihm!

Aber unabhängig von der Rasse bzw. welcher Rassemischung hat auch jeder Hund seinen eigenen Charakter. Es gibt die eher unsicheren Hunde und es gibt unerschrockene Draufgänger. Beide Varianten kann ich als Besitzer zu einem wohlerzogenen Hund formen, die Wege dahin unterscheiden sich, aber schaffen kann man das theoretisch mit jedem Hund.

Der weit häufigste Grund für Leinenaggression ist tatsächlich die Unsicherheit des Hundes.

Fehlverknüpfungen spielen eine große Rolle, wenn zum Beispiel ein kleiner unsicherer Hund ständig gegen seinen Willen von aufdringlichen Hunden an der Leine bedrängt wird, so wird er spätestens bei einsetzender Geschlechtsreife einen sich nähernden Hund durch “Angriff” vom Leib halten wollen. denn das ist das, was der Hund bemerkt: “ich keife den fremden Hund an und der verschwindet”. Sehr viele Hundebesitzer unternehmen auch gar nichts, wenn ein anderer Hundebesitzer seinen Hund zu ihrem eigenen hin läßt, der eigene Hund wird nicht beschützt!

gegen leinenaggression

Wie kann ich einer Leinenaggression entgegen wirken?

Der Hauptgrund für Leinenaggression ist IMMER der aufgeregte, unentspannte Geisteszustand des Hundes, er regt sich auf, weil er nie richtiges Verhalten gezeigt bekommen hat. Hunde denken nicht kompliziert, es ist eigentlich recht simpel: Was passiert auf mein Verhalten? Wenn ich mit einem Junghund unterwegs bin, dann werde ich ihn NIE zu anderen angeleinten Hunden hin lassen! Denn mein Endziel ist ja ein Hund, der einfach an anderen Hunden an der Leine vorbei geht! Wenn ich daraus eine Regel mache, dann wird der junge Hund auch wie selbstverständlich neben mir bleiben. Ich will unbedingt die lockere, durchhängende Leine. Ist die Leine gespannt, so ist auch unweigerlich der Hund UND sein Besitzer gespannt!

Ich versuche immer, dem Denken meines Hundes mindestens einen Schritt voraus zu sein. Meist ist es ja auch nicht schwer zu erraten, was der Hund als nächstes tun möchte… Rüden wollen gern an exponierten Stellen schnuffeln und selbst markieren. In der Zeit des kontrollierten Leinegehens gestatte ich ihm das aber nicht, das kann er tun, wenn ich ihn frei gegeben habe. Ich halte ihn davon ab, indem ich ihn zurückweichen lasse, ich blocke den Hund ab, niemals benutze ich einfach nur die Leine zum “herbremsen”… ich will dem Hund immer eindeutig zeigen, dass er vor mir nichts zu suchen hat, zumindest nicht, wenn ich mit ihm auf eine Ablenkung zu laufe.

Für das Gegenlenken bei einer bereits vorhandenen Leinenaggression kommt es sehr stark auf das Timing an, bereits beim Fixieren des “Gegners” muss der Besitzer was tun, auch ein eventuell gezeigtes Hinlegen beim Anblick eines anderen Hundes ist eine Art Jagdverhalten, er lauert den anderen Hund an! Lässt der Besitzer seinen Hund 100 Meter auf den anderen Hund “zupirschen”, dann wird es eskalieren! Eigentlich ist jedes Verharren, Anstarren, Versteifen schon der Beginn von Pöbeln! Denken Sie dabei mal an Menschen, in der Stadt geht man ungerührt aneinander vorbei, man beachtet eine fremde Person nicht. Man geht mit “höflichem” Abstand aneinander vorbei. Genau das erwarte ich von meinem Hund und das muss ich am besten von Junghundalter an klar machen!

Welche Hilfsmittel gibt es?

Ich persönlich benutze zum ordentlichen Leinelaufen eine Art modifizierte Retrieverleine, der Halsbandbereich ist als Zughalsband konzipiert welches möglichst weit oben direkt hinter den Ohren des Hundes liegen sollte. Das denkbar Ungeeignetste zum Erlernen einer guten Leinenführigkeit ist ein Geschirr… denn ein Geschirr ist zum Ziehen da, nicht zum Erziehen. Auch ein festes Halsband ist nicht gut geeignet, da ich kein eindeutiges Signal setzen kann und wenn es vielleicht auch noch recht locker sitzt, besteht immer auch die Gefahr, daß sich der Hund durch ruckartiges Stehenbleiben das Halsband über den Kopf zieht. Es gibt auch noch andere Hilfsmittel, zum Beispiel Kopfhalfter verschiedener Bauweisen. Einige Benutzer schwören drauf, aber bei richtig heftigen Hunden wirkt es nicht, der Hund macht den Hals steif und zerrt den Besitzer trotzdem wieder durch die Gegend. Außerdem ist und bleibt es ein Hilfsmittel, ich habe als Ziel, daß mein Hund wegen MIR nicht mehr zieht, weil ICH das nicht will, dazu brauche ich nur die richtige Technik aber vor allem: einen festen Willen 😉

Auch das Dressurhalsband möchte ich erwähnen, oft fälschlich als Stachelhalsband bezeichnet. Es wird angeschafft aus Verzweiflung, bei sehr vielen Hunden sorgt es auch kurzfristig für “Zugpause”, doch schon nach kurzer Zeit zieht der Hund, als ob er ein weiches Lederhalsband trüge… weil meist nicht richtig damit umgegangen wird. Auch kann das durchaus unangenehme Gefühl für den Hund bei gestraffter Leine eine vorhandene Leinenaggression sogar verschlimmern, denn der Hund wird das Gefühl dem anderen Hund anlasten, nach dem Motto:”wegen Dir tut es mir am Hals weh!!” und er wird erst recht ausflippen.

Wie kriege ich eine vorhandene Leinenaggression wieder weg?

Sie müssen erst einmal der “Führer” Ihres Hundes werden, er muss lernen sich Ihnen zu fügen. Das sollte zunächst ohne Ablenkung durch Hunde geübt werden, ich nehme mir da zum Beispiel vor, 5 Minuten am Stück über den Hund zu bestimmen. Eventuelle Versuche, mich zu überholen, blocke ich durch schnelles Umdrehen zum Hund und gleichzeitiges punktgenaues Rucken an der Leine (NICHT reissen!) oder auch durch flotte 180° Wendungen. Ich will erreichen, dass der Hund vor mir zurückweicht. Bevor ich daran denke, dicht an anderen Hunden vorbei zu gehen, muss der Hund schon so eingestellt sein, dass er lieber hinter mir geht, weil ich ihm das Vorpreschen madig gemacht habe. Dann suche ich mir ruhige Hunde (möglichst das andere Geschlecht meines Hundes, denn gleichgeschlechtlich birgt immer mehr Aggressionspotenzial) und verständige Hundebesitzer und übe so weiter, bis ich den Hund kontrolliere und er hinter mir bleibt.

Bei den meisten Hunden geht das innerhalb recht kurzer Zeit, schnelle Besserung erreicht man immer mit Hunden, die aus Unsicherheit Aggression zeigen, Hunde mit starkem Selbstbewusstsein brauchen längeres Training.

Sie merken schon, es dreht sich alles darum, den Hund gehorsam zu machen, er muss sich meinen Regeln fügen und darf sich nicht widersetzen… wegen gar nichts! Und das nicht nur beim Spaziergang, im ganzen Umgang mit dem Hund muss sich etwas ändern. Denn meist haben solche Hunde ihre Besitzer um eine Pfote gewickelt, sie bekommen Futter oder Leckerchen, wenn sie danach verlangen, sie werden bespasst, wenn ihnen nach Spiel zumute ist, sie stürmen als erste zur Tür wenn es klingelt, sie fegen am Gartenzaun entlang, wenn Hunde oder Menschen in Sicht kommen… kurzum: keinerlei Regeln für den Hund! Was ein Hund am meisten braucht bekommt er nicht…, dafür aber einen ganzen Haufen Zuneigung und Liebe… das kann nicht klappen!

gegen Leinenaggression

Was der Hund braucht, ist eine saubere Unterordnung, er muss lernen zu warten. Er muss lernen, dass ihm Dinge wie Zuneigung und Aufmerksamkeit nicht einfach so zufliegen, sondern dass er was dafür tun muss! Es verhält sich eigentlich schon so wie bei guter Kindererziehung, sie müssen spielen und toben dürfen, sie müssen aber auch Regeln befolgen und sich artig benehmen… dass man seine Kinder liebt, versteht sich hoffentlich von selbst 😉