Brauchen wir neue Hunderassen?

dorn

„Alte“ neue Hunderassen… ein paar Gedanken dazu…

 

neue Hunderassen

Der Versuch, durch Kreuzung von zwei Rassen eine neue zu entwickeln, ist nicht neu. Vor weit mehr als 200 Jahren schon haben Jäger die Vorzüge von sogenannten „Blendlingen“ gelobt, Mischlingen aus Pointern und Pudeln! Sie verbanden die Vorzüge beider Rassen, das Vorstehen und die Nasenleistung des Pointers gepaart mit dem rauhen Fell plus der Gelehrigkeit und Bringfreude des Pudels… eine neue Hunderasse war im Entstehen, der heutige Pudelpointer!

Ich selbst besitze einen Westfalenterrier, diese Rasse ist vor fast 50 Jahren entstanden aus Kreuzungen von Deutschem Jagdterrier, Foxterrier und Lakeland Terrier, es ist eine sogenannte Gebrauchskreuzung, man wollte (und hat!) die jeweils guten, brauchbaren Eigenschaften der einzelnen Rassen in einer neuen Hunderasse kombiniert.

Antrieb war dabei immer eine Steigerung der Leistung, ein Gewinn für die jagdliche Brauchbarkeit. Ansporn in der Zucht von Gebrauchshunden war nie ein monetärer Gewinn, sondern eine Verbesserung der Qualität der Hunde und diese Qualität wurde einzig und allein im praktischen Jagdeinsatz überprüft…

neue Hunderassen braucht das Land?!

Manchmal frage ich mich, ob ich einfach zu altmodisch bin, aber was heutzutage alles als neue Hunderassen vorgestellt wird, das nenne ich immer noch „Mischlinge“. Die Gründe für den genetischen Testflug sogenannter „Erstzüchter“ liegen nicht mehr in einer Verbesserung der Leistungsfähigkeit, heutzutage geht es um ganz andere Themen. Die Krankheitsbehaftung der heutigen Hunderassen ist ein häufig genanntes Argument, aber auch das im erheblichen Maße vollkommen veränderte Zusammenleben mit einem Hund in Deutschland spielt eine große Rolle.

Man könnte fast meinen, daß eine Familie erst komplett ist, wenn sie auch einen Hund beinhaltet! Da muß dann auch mal der Hund an die bestehenden Umstände angepaßt werden… , sämtliche Farben, Größen, Temperamente finden sich auf dem unüberschaubaren Hundemarkt,ein Allergiker braucht auch einen Hund, einen ganz ohne Haare oder einen hypoallergenen Doodle…

Richtig gelesen, es ist ein riesen Markt entstanden zum Thema Hund, ein Milliardengeschäft!

Ich sehe es doch in unserer Hundeschule… der stinknormale Mischling ist anscheinend nicht hip genug… ich nenne nur ein paar Beispiele: ein Mix aus Labrador und Pudel heißt jetzt „Labradoodle“ oder entsprechend Pudel mit Golden „Golden Doodle“, ja sogar ein „Germanischer Bärenhund“ war schon in unserer Halle… glaubt man dem „Entdecker“ dieser Rasse, so hatte seine Bernhardinerhündin die alten Gene des Germanischen Bärenhundes in sich (ja, ich habe die Entstehungsgeschichte dieser neuen Hunderasse auch mehrfach gelesen und kam aus dem Schmunzeln nicht mehr raus)… sehr geschäftstüchtig, der Herr Züchter! Kreuzt Bernhardiner mit Herdenschutzhund, baut eine coole Geschichte drum herum, gründet einen eigenen Zuchtverein und stellt große, langhaarige Mischlingshunde her… mit gutem Verkaufserfolg!

Saarlooswolfhund oder Tschechoslowakischer Wolfhund, beide Rassen entstanden aus dem Anliegen heraus, den Superdiensthund aus einem Deutschen Schäferhund mit Wolf zu machen… das Experiment kann als gescheitert angesehen werden, die Tiere waren zu scheu für den Dienst… aber als Haushund bedienen sie die Tendenz „zurück zur Natur“ und viele ihrer Besitzer schreiben sich in eigenen Wolfhundforen gegenseitig die Leidensgeschichten mit ihren Wolfhunden.

Mittlerweile gibt es auch Züchter, die solche Wolfmischlinge mit Weißen Schäferhunden kreuzen und auch mit eigenem entsprechenden Namen versehen. Liest man sich die Charakterbeschreibungen der „Zuchthunde“ durch, so steht bei so gut wie jedem Hund: „zurückhaltend“, „reserviert“… sind das Charaktereigenschaften von Hunden, die in unserem übervölkerten Deutschland leben sollen? Antworten Sie selbst…

Ich weise unsere Kunden immer mal wieder darauf hin, dass man als (zukünftiger) Hundebesitzer auch nichts anderes ist, als ein Kunde, bei dem Kaufreiz geweckt werden soll, und es scheint ja sogar zu funktionieren! Oder können Sie mir rationale Gründe nennen für den Kauf eines „Germanischen Bärenhundes“ im 21. Jahrhundert?! Mir fällt keiner ein…

Mischlinge wird es immer geben, das ist auch gut so, ob sie mit Absicht passieren müssen, hmmm… aber wenn es darum geht, einen geeigneten Rassehund für sich zu finden, da sind die Möglichkeiten schon so derart vielfältig, daß mit Sicherheit jeder etwas für sich finden kann…

Ich persönlich vermisse keine neuen Hunderassen, aber was ich vermisse ist vernunftgesteuertes Kaufverhalten bei (zukünftigen) Hundebesitzern 😉